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Orgelmusik

Zur Geschichte der Bamberger Domorgel

Eine im letzten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts niedergeschriebene, bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts fortgeführte Gottesdienstordnung des Bamberger Domes, das sog. Breviarium Eberhardi cantoris, erwähnt nicht, daß während der Gottesdienste eine Orgel verwendet wurde. Trotzdem darf man wohl davon ausgehen, daß der Bamberger Dom, so wie andere große Kirchen auch, schon im späten Mittelalter zumindest in beiden Chören kleinere Orgeln besaß.

Über die Aufstellung der Schwalbennest-Orgel an der Nordwand des Langhauses, die mit eingreifenden Baumaßnahmen einhergegangen sein muß, ist schriftlichen Quellen nichts zu entnehmen. Domkapitular Michael Pfister gab in seinem 1896 erschienen Werk „Der Bamberger Dom“ als Entstehungsjahr der ersten Domorgel 1415 an, allerdings ohne dafür seine Quelle zu nennen. Michael Praetorius weist in seinem Buch „Syntagma musicum II, De Organographia“ (Wolfenbüttel 1619) darauf hin, daß der Orgelmacher Conrad Rotenbürger aus Nürnberg 1475 gleichzeitig mit der Orgel für die Franziskaner in Nürnberg auch „das grosse Werck im Stifft Bamberg“ geschaffen habe, wobei mit „Stifft“ sicher nicht das Hochstift Bamberg, sondern das Domstift gemeint ist. 18 Jahre danach, 1493, soll Rotenbürger diese Orgel vergrößert haben.

Reparaturen wurden schon bald notwendig. Da das Domkapitel darüber zu entscheiden hatte, von wem und in welchem Umfang sie ausgeführt werden sollten, mußte jede solche Maßnahme in einer Kapitelssitzung behandelt werden, was dann in den domkapitelschen Rezeßbüchern festgehalten ist. 1522 wurde bereits ein neuer Spieltisch in Auftrag gegeben. In der Mitte des 16. Jahrhunderts nahmen die Klagen über den schlechten Zustand der Orgel zu. Aber erst im Jahr 1607 versuchte man, dem Übel endgültig abzuhelfen. Der damals in Nürnberg ansässige Orgelbauer Lorenz Hauslaib rechnete nach der Besichtigung der Domorgel mit einem Geldaufwand von 1000 Gulden für die Reparatur. Den Auftrag erhielt Ende 1609 Frater Arnold Flander aus Mainz. Der Orgelprospekt wurde gleichzeitig von dem Bamberger Hofmaler Georg Conrad erneuert. Der Sohn des Domorganisten Georg Arnold, Georg Adam, malte um 1670 zwei Innenansichten des Bamberger Domes (Diözesanmuseum und Historisches Museum der Stadt Bamberg), auf denen die Orgel genau wiedergegeben ist.

In den Protokollen des Kunigunden-Werkamts ist ein sehr ausführlicher Kostenvoranschlag des Würzburger Orgelbauers Nikolaus Will vom 28. Juli 1689 in Abschrift festgehalten. Darin beschreibt er auch das alte Werk, das er erneuern sollte. Es war wohl noch das des Arnold Flander von 1610. Will gab an, daß es nur drei Oktaven umfasse, da diese früher für den Choral genügt hätten. Er meinte weiter, daß auch das – schon auf den Arnoldschen Dombildern zu sehende – Rückpositiv ausgebessert, vor allem in die Domorgel eingefügt werden müsse.

Die von Nikolaus Will umfassend erneuerte Orgel mußte auch im 18. Jahrhundert einige Male repariert werden, was aber immer nur geringe Kosten verursachte. 1837 entfernte man während der durchgreifenden Purifizierung des Domes den von Georg Conrad 1610 restaurierten, im Kern noch einige spätgotische Teile enthaltenden Orgelprospekt und ersetzte ihn durch einen von Schreinermeister Andreas Strüble und Bildhauer Adam Schäfer in neuromanischen Formen geschaffenen.

Ein neues Werk wurde 1868 dem Bamberger Orgelbauer Josef Wiedemann in Auftrag gegeben. Es war so mangelhaft, daß es bereits fünf Jahre später von der Firma Steinmayer in Oettingen umgebaut werden mußte. Diese wegen ihres Klangs vielgerühmte Orgel verblieb bis 1940 im Dom, ehe sie ersetzt wurde.

Renate Baumgärtel